Kapitel 4: Geschichte der Sprachwissenschaft 1800-1900: Historismus und die 'Wiederentdeckung des Signifiant'

4.1. Historismus und die 'Wiederentdeckung des Signifiant'

4.1.1. Grundlage:

Denken und Sprachliches Zeichen

Klassische Sprachphilosophie: Gegenstandsbereich vor allem die Beziehung von 'Denken' (Kognition) und sprachlichem signifié ('Begriff'). Signifiant nur Hilfsmittel, um diese Beziehung aufzudecken.

Mithridates-Phasen bewirken Wahrnehmung der 'Ausdrucksvarianz' (signifiant).

Vgl. Percy Bysshe Shelley (1792–1822)
Nymphe Asia: He [Prometheus] gave man speech, and speech created thought, Which is the measure of the universe;
Prometheus Unbound: A Lyrical Drama In Four Acts 2. Akt, Szene 2,4: 72-73

Die Entdeckung der 'Geschichte': Geologie

→ Dänischer Arzt und Naturforscher Niels Stensen (Nicolaus Steno) (1638 - 1687) Zeichnete erstes geologische Profil (Toskana) → stratigrafische Prinzip.
'Was unterhalb liegt, ist älter'.
→ Anordnung im Raum = Abfolge in der Zeit
Geologie und Fossiliensamlung Teil der bürgerlichen Allgemeinbildung im 18. Jh. Kombination von traditionellem Wissen der Bergleute und theoretischen Modellen.
Geologische Kartierung Englands durch den Vermessungsingenieur und Kanalbauer William Smith (1769 - 1839)
Geschichte als Bestimmung nationaler Identitäten. Basierend u.a. auch Giambattista Vico (1668-1744): Die Ursprünge der Nationen liegen in einem göttlich-heroischen Zeitalter.

Friedrich Schlegel (1772-1829) [Kulturphilosoph, Philosoph, Kritiker, Literaturhistoriker und Übersetzer], Bruder von August Wilhelm Schlegel, Vertreter der „Jenaer Frühromantik“]:
NB: Sanskrit = Ursprache, von der Griechisch, Lateinisch, Persisch und Gotisch abstammen sollen (Über die Sprache und Weisheit der Indier, Köln 1808).

Prägung (?) des Begriffs „Historismus“ (1797) → „Winckelmann's Historismus“ (1717–1768), deutscher Archäologe)

Mit der 'Entdeckung' des Sanskrit (bes. Sir William Jones (1746-1794) und anderer antiker Sprachen wurden 'ältere Sprachschichten' sichtbar.

Dazu: Auflösung von Kirchengütern infolge des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 macht Texte in Klöstern usw. zugänglich(er).

→ Entdeckung des Mittel- und Althochdeutschen etc.

4.1.2. Folge: 'Diachrone Mithridates-Phase'

Fr. Schlegel: Jener entscheidende Punct aber, den hier alles aufhellen wird, ist die innre Struktur der Sprachen oder die vergleichende Grammatik, welche uns ganz neue Aufschlüsse über die Genealogie der Sprachen auf ähnliche Weise geben wird, wie die vergleichende Anatomie über die höhere Naturgeschichte Licht verbreitet wird (1808:28).

→ Formuliert einige 'Buchstabenübergänge' vom Lateinischen zum Spanischen bzw. Deutschen = erster Schritt hin zu Lautgesetzen

August Wilhelm Schlegel 1816: Über das Conjugationssystem der Sanskritsprache in Vergleichung mit jenem der griechischen, lateinischen, persischen und germanischen Sprache. Nebst Episoden des Ramajan und Mahabharat in genauen metrischen Übersetzungen aus dem Originaltexte un einigen Abschnitten aus den Veda's. Herausgegeben und mit Vorerinnerungen begleitet von Dr. K. J. Windischmann.

Schon Johann Christoph Adelung (1732-1806) [Bibliothekar, Germanist] Aelteste Geschichte der Deutschen, ihrer Sprache und Literatur bis zur Völkerwanderung. (Leipzig 1806)

Mithridates oder Allgemeine Sprachenkunde. T. 1-4. Mit dem Vater Unser als Sprachprobe in bey nahe fünfhundert Sprachen und Mundarten. Fortges. u. bearb. von J. S. Vater. Berlin: Voß 1806-17.

Kurzer Begriff menschlicher Fertigkeiten und Kenntnisse so fern sie auf Erwerbung des Unterhalts, auf Vergnügen, auf Wissenschaft, und auf Regierung der Gesellschaft abzielen. Für Realschulen und das bürgerliche Leben, 4 Teile. Leipzig 1778-1781.

Ohne eine genaue Kenntniß des Stufengangs, welchen eine Nation in dem Baue und der Bildung ihrer Wörter von dem ersten Ursprunge ihrer Sprache an, bis zu ihrer höchsten Verfeinerung beobachtet hat, wird in keiner Sprache eine erträgliche Sprachlehre zustanden kommen. (Bd. III,p.232).

Jacob Grimm (1785-1863): Deutsche Grammatik (1819):
Ziel: Den Beweis zu erbringen, daß und wie alle deutschen Sprachstämme innigst verwandt und die heutigen Formen unverständlich seyen, wo man nicht bis zu den vorigen, alten und ältesten hinaufsteige, daß folglich die gegenwärtige grammatische Structur nur geschichtlich aufgestellt werden dürfe (Kl.Schriften, 16).

Jacob Grimm in Beilage Nr. 27 zu Kasseler Allgemeinen Zeitung vom 1. September 1838 zur Kritik an Adelungs → Versuch eines vollständiges grammatisch-kritischen Wörterbuches der Hochdeutschen Mundart, mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der oberdeutschen(5 Bd., Leipzig 1774-1786).

Das Wörterbuch Adelungs, des unter allen Vorgängern allein nennenswerthen, ist weit hinter der Fülle des Materials zurückgeblieben und ruht auf keiner ausreichenden Grundlage, die, wie sich von selbst versteht, nur eine historische sein kann.

4.1.3. Sprachwissenschaft und Naturwissenschaft

Idealisierung des Berufsbildes des Ingenieurs, der die Praxis der Theorie symbolisiert.
Erneute 'Technisierung der Sprachwissenschaft'

Empirismus (Bacon, Hobbes, Locke, Berkeley, Hume, John Stuart Mill (1806-1873))

→ Grundlage der Erkenntnis liegt in der (Sinnes-)Erfahrung von Gegenständen und Phänomenen. Richtiger 'Vernunftgebrauch' kann diese ordnen und kann induktive Schlüsse daraus ziehen.

→ Sprache existiert an sich und für sich, d.h. ist OBJEKT.

Idealismuskritik nach dem Tod von Hegel (1831)

Vgl. Sören Kierkegaard (1813-1855), patrizischer Privatier: Kritik des abstrakten Denkens; Priorität der 'positiven' Existenz der begrifflichen Essenz (im Wesen) → Individuierung der Existenz:

Was ist abstraktes Denken? Es ist das Denken, bei dem es keinen Denkenden gibt... Was ist das konkrete Denken? Es ist das Denken, bei dem es einen Denkenden gibt...

Konkretisierung und Bezug zu Naturwissenschaften:

August Friedrich Pott (1802-1887)

Anti-Kaulen: Oder mystische Vorstellungen vom Ursprung der Völker und Sprachen, 1863

Bezug: Franz Kaulen (Theologe): Die Sprachverwirrung zu Babel. Linguistisch-theologische Untersuchungen über Gen XI 1-9. Bonn 1861.

Im schroffen Gegensatze zu der Linguistik neuen Stils (p,.65)

(...) diese Lautverschiedenheit, obwohl sie im höheren Sinne von der Theorie als Zufälligkeit anerkannt werden muss, steht und bildet sich unter Naturgesetzen, vorzüglich dem der der physiologischen Lautverwandtschaft (Pott 1833:XXVI) [Etymologische Forschungen]

(...) selbst im blossen Buchstaben [herrscht] nicht – wie [es] sonst nirgends in der Sprache der Fall ist [...] – die Gesetzlosigkeit frecher Willkür [...], sondern vernünftige Freiheit, d.h. Einschränkungen durch selbsteigene, in der Natur der Laute begründete Gesetze (Pott 1833:XII) [Etymologische Forschungen]

Verstärkung des Historismus durch Biologismus und Evolutionstheorie

Die Sprachen sind Naturorganismen, die ohne vom Willen des Menschen bestimmbar zu sein, entstunden, nach bestimmten Gesetzen wuchsen, und sich entwickelten und wiederum altern und absterben. (August Schleicher, Die Darwinsche Theorie und die Sprachwissenschaft. Weimar 1863:6)

Vgl. Charles Darwin (1809-1882): On the origin of species by means of natural selection, or the preservation of favoured races is struggle for life (1859) [Ergebnisse seiner Bebobachtungen am dem Vermessungsschiff BEAGLE 1831-1836].

→ Veröffentlichung motiviert durch die Publikation von A.R. Wallace (1823-1913) Über die Neigung der Varietäten unbegrenzt von den ursprünglichen Typus anzuweichen (1858)

→ Morphologische (formale) Ähnlichkeit wird aus einer historischen Perspektive erklärt → Deszendenzlehre → Phylogenetik
→ Abgrenzung von wesentlichen und unwesentlichen Merkmalen
Vgl. dialektische Oppositionslehre Hegels:

→ Jede These birgt in sich schon ihre Antithese, beide werden in der Synthese aufgehoben.

→ Funktionsbegriff, e.g. [übertragen]: Der Laut [b] ist dann /b/, wenn er in sich schon die Antithese (e.g. [p]) birgt, beide aufgehoben in /b/ bzw. /p/.).

→ Hierarchische Systeme der abgestuften Ähnlichkeit (Baupläne → Typen: Organisationstypus = Strukturmodell des Merkmalkomplexes, der allen Gliedern eines Typs gemeinsam ist).

Aber Residuen der romantischen 'panta rhei-Perspektive':

Auch suche man in Sprachen keine Gesetze, die festeren Widerstand leisten als die Ufer der Flüsse und Meere (Bopp 1836:15, in Vocalimus oder sprachvergleichende Kritiken über J. Gramm's deutsche Grammatik und Graff's althochdeutschen Sprachschatz. Berlin)

→ Lautwandel nicht 'gesetzlich': Die Lautverschiebung erfolgt in der Masse, tut sich aber im einzelnen niemals rein ab; es bleiben Wörter im Verhältnis der alten Einrichtung stehn, der Strom der Neuerung ist an ihnen vorbeigeflossen(Jacob Grimm, Dt.Gram, p.590)
[Angelehnt an Jakob Hornemann Bredsdorff , Germanist (1790-1841) 1821. [Über die Ursachen der Sprachveränderung]

→ Nach Grimm Naturalisierung der Sprachwissenschaft (die Entdeckung des Sprechers und der lebenden Sprachen)

Rudolf von Raumer (1815-1876), Germanist, Phonetiker/Orthograph, Kritiker von Grimm; 1837: Die Aspiration und die Lautverschiebung. Eine sprachgeschichtliche Untersuchung.

→ Gesetzmäßigkeit des Lautwandels bedingt durch physiologische Natur der Sprechorgane und ihre Entwicklung (Notwendigkeit der Systematisierung von 'Lauten')

Lauteigenschaften können nicht über 'tote' sondern nur über 'lebende' Sprachen erfasst werden.

→ Andreas Schmeller (1785-1852): Betont Wert der Sprache der 'unteren Schichten', die oft sprachliche Elemente enthalten, die in der Sprache der höheren Klassen nicht vorhanden sind.
1821: Die Mundarten Bayerns grammatisch dargestellt.
1827-37: Bayerisches Wörterbuch

August Schleicher (1821-1868) Dass wir hier unter Sprachvergleichung nur die wahrhaft vernunftsgemässe historische Sprachbetrachtung meinen, nicht jene aller getzmässig-geschichtlichen Entwicklung spottende Wortspielerei, versteht sich von selbst (Über den Wert der Sprachvergleichung, 1850).

Kulminiert in: Aller lautwandel, so weit er mechanisch vor sich geht, vollzieht sich nach ausnahmslosen gesetzen, d.h. die richtung der lautbewegung ist bei allen angehörigen einer sprachgenossenschaft, ausser dem fall, dass dialektspaltung eintritt, stets dieselbe, und alle wörter, in denen der der lautbewegung unterworfene laut unter gleichen verhältnissen erscheint, werden ohne ausnahme von der änderung ergriffen. (Hermann Osthoff und Karl Brugmann, Morphologische Untersuchungen auf dem Gebiete der indogermanischen Sprachen. 1878-1890:XIII (Junggrammatisches Manifest).

Vgl. Aktualismus in der Geologie (Charles Lyell (1797-1875): Ursachen der Veränderung auf der Erdrinde waren in früheren Zeiten die gleichen wie heute: Die Erde hat ihre heutige Gestalt über fortlaufende, analoge Prozesse erhalten.

4.1.4. Vertreter der frühen Phonetik (Auswahl):

Hart, John (c. 1501-1574)
Bullokar, William (c. 1531-1609)
Madsen Aarhus, Jacob (1538-1586)
Montanus, Petrus (1594/5-1638)
Wilkins, John (1614-1672)
Wallis, John (1616-1703)
Holder, William (1616-1698)
Dalgarno, George (c. 1619-87)
Lodwick, Francis (1619-1694)
Cordemoy, Geraud de (1626-1684)
Cooper, Christopher (c. 1655-1698)
Amman, Johann Conrad (1669-1730)
Kate Hermansz, Lambert ten (1674-1731)
Steele, Joshua (1700-1791)
Brosses, Charles de (1709-1777)
Sheridan, Thomas (1719-1788)
Kratzenstein, Christian Gottlieb (1723-1795)
Walker, John (1732-1807)
Kempelen, Wolfgang von (1734-1804)
Jones, Sir William (1746-1794)
Spence, Thomas (1750-1814)
Duponceau, Pierre Etienne (1760-1844)
Thelwall, John (1764-1834)
Grimm, Jacob Ludwig Carl (1785-1863)
Rask, Rasmus Kristian (1787-1832)
Bredsdorff, Jakob Hornemann (1790-1841)
Lepsius, Carl Richard (1810-1884)
Pitman, Sir Isaac (1813-1897)
Ellis, Alexander John né Sharpe) (1814-1890)
Raumer, Rudolf von (1815-1876)
Bell, Alexander Melville (1819-1905)
Brucke, Ernst (1819-1891)
Armstrong, Lilias Eveline (1822-1937)
Storm, Johan (1836-1920)
Bell, Alexander Graham (1847-1922)
Boyanus, Simon Charles (1871-1952)

4.2. Die Deskription der basalen Einheiten der signifiant-Ebene Organik:

[Kurzfassung, siehe ausführlicher /WS0708/gkphon.pdf]

4.2.1. Organe und Organbasen

Alle in speech involvierten Organe sind nicht-spezialisierte Körperstrukturen, d.h. nur in ihrer (gekoppelten) Ausprägung sprachrelevant.

Wesentlich: Sprachbezogene Organik stellt keinen life support im engeren Sinne dar. Basiert aber auf life support des respiratorischen Systems.

Basis: Organe und Organbasen:

Organe und Organbasen

Subglottal: Respiratorisches System (Energiequelle)
Supraglottal: Phonetische Spezifikation (i.d.R.)

4.2.2. Larynx (Kehlkopf)

Basisfunktion: Protektion des Luftröhrentrakts vor Aufnahme von Partikeln etc. (> Ableitung in den Ösophagus (Speiseröhre)).

Larynx ist verbunden mit Lungen über Luftröhre (Trachea) (11 cm lang, 2,5 cm Ø).

Larynx besteht aus Knorpelsystem, wobei die Knorpel sich z.T. zueinander bewegen können.

Genauer: Kranialer (kopfbezogener) Teil der Luftröhre mit der Doppelfunktion

↠ Pförtner der unteren Luftwege
↠ Apparat der Stimmbildung

Besteht aus:

↠ Gerüst von Knorpeln
↠ Verbunden durch Gelenke, Bänder und Membranen (beweglich zueinander)
↠ Stellung der Knorpel und Spannung der Bänder werden durch quergestellte Kehlkopfmuskeln reguliert.

Kehlkopfhöhle ist durch Schleimhaut ausgekleidet

→ zwei Paar sagittal (in Pfeilrichtung) gestellte Falten
→ Obere Plica vestibularis (Taschenfalte)
→ Untere Plica vocalis (Stimmfalte) mit Plattenepithel, in der das Stimmband (ligamentum vocale) und der Musculus vocalis liegen.

Kehlkopf Ausschnitt
Kehlkopf (Ausschnitt)
Stimmband von oben

Glottis: 17-22 mm (males) - 11-16 mm (females); Größenunterschied prägt sich in Pubertät aus (Teil (!) des Stimmbruchs! Verlängerung des lig. voc. um 10 mm bei males, um 3-4 mm bei females).

Phonation (kontrollierte Stimmtonerzeugung durch die im Kehlkopf befindlichen Stimmlippen) ergibt sich durch das ständige Öffnen/Schließen der Glottis.

Laustärke: Qualifiziert durch PSg.
Höhe (pitch): Perzpetives Korrrelat zur Zahl der Vibrationen der Stimmbänder: Relevant: Psg (moderat); Länge, Spannung und Masse der Stimmbänder (und ihre Manipulation);
Timbre: Länge der Öffnung pro ‚Zyklus’ (Zyklus: Geschlossen - Offen - Geschlossen); Zusätzlich bestimmt durch Geschwindigkeit des Luftstroms;

Glottale Modi:

Glottale Modi

4.2.3. Pharynx (Rachen)

→ Passive Region / nur durch Aktivitäten der Umgebung modifiziert.

Von Muskeln geformter Hohlraum, ungefähr 12 cm lang. zwischen Glottis und Schädelbasis.

Drei funktionale Regionen:

Pharynx

Laryngo-Pharynx (Glottis bis Epiglottis) kann modifiziert werden durch muskuläre Verbindung zwischen Zungenbein und Zungenkörper; dazu Auf-und-Abbewegungen des Kehlkopfs;

Oro-Pharynx (Bereich zwischen Epiglottis und Uvulum); wesentlich ist Modifikation des Raums zwischen Epiglottis und Rachenwand (20 mm bei ‚front’ vowels bis 5-6 mm bei ‚back’ vowels);

Naso-Pharynx: Weicher Gaumen bis Nasenraum: Modifiziert durch Hebung des weichen Gaumens / Uvulums.

4.2.4. Velum (Segel)

Velum = weicher Gaumen: Fortsetzung des Dachs der Mundhöhle, hinter dem Knochenbereich des harten Gaumens

Flexibles ‚Blatt’ von Bändern und Muskelfasern, das im Uvulum (Zäpfchen) endet.

Velum

In Anhebung des Uvulums erfolgt ein Abschluss hin zum Nasenraum:

Verschluss des → velopharyngalen Zugangs.

Drei Muskelaktivitäten:

4.2.5. Nasenraum

Typischerweise 10cm lang (von Pharynx bis Nasenflügel)
Vorne geteilt durch das Septum (‚Zaun, Schranke’ = Scheidewand)
Komplexe Struktur ohne muskuläre Bindung (Aunahme: Nasenflügel)!
→ Kontrolliert indirekt durch Velum-Aktivitäten.

4.2.6. Mundhöhle:

Mundhöhle

Funktionaler Grundaspekt:

→ Modifikation der Geometrie der Mundhöhle zur Beeinflussung des Luftstroms.

Grenzen: Palatoglossaler Muskel → Lippen (horizontal)
Zungenboden und Muskeln des Zungenbeinbereichs → Palatum

Grenzen der Mundhöhle

Oberer Bereich:

Oberer Bereich der Mundhöhle

Seitlich begrenzt durch

4.2.7. Zunge

Wesentlichster Faktor der Varianz in der Mundhöhlengeometrie
Muskelkomplex, der am Zungenbein verankert ist.

Muskelbewegung erfolgt

  1. intrinsisch (über den Zungenmuskel selbst, aktiv) > Zungenform
  2. extrinsisch (über mit dem Zungenmuskel gekoppelte Muskeln, passiv). > Lokalisierung / Form

Muskeln der Zunge

Zungengliederung:

Gliederung der Zunge

Intrinsisch vor allem vier Muskeltypen:

Zungenbewegung

Beachte: Zungen- und Lippenbewegung ist nicht notwendigerweise gespiegelt (kolateral), kann auch unilateral erfolgen!

4.2.8. Lippen

Vordere Begrenzung der Mundhöhle
Bestehen aus Muskeln, Membranen und Haut.
Funktional eine Einheit, daher sind Lipennbewegungen oben/unten miteinander gekoppelt.

Bewegungstypen:

Mundbewegungen

4.2.9. Kiefer

Sekundäre Funktion: Bei Störung keine relevanten Einschränkungen der Artikulation.
Doppelfunktion:

4.2.10. Artikulationsorte: Generell vs. speziell (Ausschnitt)

Labial Bilabial
Labiodental
CoronalApicalApico-dental
Apico-alveolar
Apico-postalveolar
Apico-palatal
LaminalLinguo-labial
Interdental
Lamino-dental
Laminal-alveolar
Lamino-postalveolar
Lamino-palatal
Sublaminal Sublamino-palatal
Lateral Lateral
Dorsal Dorso-palatal
Dorso-velar
Dorso-uvular
Radical Pharyngeal
Epiglottal
Laryngeal Glottal

[Coronal = vom Zahnkranz (corona = Kranz) umgeben]

Basale Artikulationsweisen (Auswahl):

Co-articulation (Auswahl)

4.3. IPA als graphisches Repräsentationssystem

Enge und breite/weite Transkription (narrow vs. broad):

Weite Transkription:

Enge Transkription:

[voriges Kapitel] [Inhaltsverzeichnis] [nächstes Kapitel]